Text Dr. Rolf D. Baldus
Foto Adobe Stock (WildMedia)
Der Rothirsch ist das Tier des Jahres 2026. Bei der Abstimmung, die jedes Jahr von der Deutschen Wildtier Stiftung initiiert wird, fand Cervus elaphus eine Mehrheit. Das zeigt, dass sich der „König der Wälder“ immer noch großer öffentlicher Beliebtheit erfreut.
Dabei geht es der letzten großen Tierart in unserer Kulturlandschaft überhaupt nicht gut. Das gesellige Rudeltier fühlt sich eigentlich in der halboffenen Landschaft am wohlsten, wurde aber in den Wald zurückgedrängt. Dort gehen sie zu Schaden, sagt der Waldbesitzer, obgleich die prächtigen Geweihträger und ihr Kahlwild auch vielfältige ökologische Funktionen erfüllen. Jedenfalls werden sie heftig bejagt, mancherorts wie Schädlinge bekämpft. Ohnehin dürfen sie nur in Gebieten leben, die man ihnen zubilligt. In Baden-Württemberg, das sich sogar im Landeswappen mit einem kapitalen Hirsch ziert, sind das beispielsweise vier Prozent der Landesfläche. In ganz Deutschland etwa ein Viertel der Fläche. Überall sonst sind die Jägerinnen und Jäger gesetzlich verpflichtet, ihnen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sofort eins drauf zu brennen, sobald sie in Unkenntnis die Grenzen der sogenannten Rotwildgebiete überschreiten. Die daraus resultierende Verinselung der Bestände wird durch künstliche Barrieren wie Autobahnen und Industriegebiete noch verstärkt. Der genetische Austausch zwischen den einzelnen Rothirsch-Populationen klappt deshalb nicht mehr. Offenbar verliert die Art ihre genetische Vielfalt. Populationsgenetiker sprechen vom Beginn eines Aussterbeprozesses. Während Deutschland Elefanten und Nashörner in Afrika retten will, ist das Rotwild im eigenen Land mittelfristig gefährdet.
Dass das Aussterben aber auch viel schneller gehen kann, dämmerte mir, als ich im ve...