Es war Ende der 1980er Jahre in einem vollklimatisierten Büro im Stadtzentrum Nairobis. Die Experten der „African Elephant Specialist Group“ waren zusammengekommen. Ich nahm im Auftrag der Regierung Tansanias teil. Die „Afrikanische Elefantenspezialistengruppe“ ist eine Kommission der Weltnaturschutzunion (IUCN), die sich der wissenschaftlichen Erforschung, dem Management und dem Schutz der Elefanten in Afrika widmet.
Text Dr. Rolf D. Baldus
Foto Adobe Stock (Thomas Dressler/imageBROKER)
Im Raum saßen blasse „Nerds“, die damals noch nicht so hießen, ihre Zeit aber schon überwiegend hinter einem Computer verbrachten und Papier produzierten. Da gab es Praktiker, denen man ansah, dass sie meistens im Busch unter afrikanischer Sonne unterwegs waren. Und es fanden sich die „Stars“ der Szene, die sich dem kompromisslosen Totalschutz der Elefanten verschrieben hatten. Sie heimsten schon damals viele Dollars ein – für Elefanten und für ihren Lifestyle. Ruhm kam hinzu, denn in Fernsehen und Presse wurden sie als „Elefantenretter“ gefeiert – an ihrer Spitze Ian Douglas-Hamilton (sein Buch: „Wir kämpfen für die Elefanten“). Er sollte bald mit dazu beitragen, dass Kenia im Juli 1989 sein Elfenbein verbrannte.
In der hitzigen Diskussion ging es – wie heute – um den Handel mit Elfenbein, Schutz versus Nutzung und das Ja oder Nein zur Elefantenjagd. Und es ging um Zahlen, nämlich die Abnahme der Elefantenbestände. Dass das Nichtjagdland Kenia seine Elefanten zum größten Teil verloren hatte, war unstrittig. Sie waren gerade von etwa 130 000 im Jahr 1973 auf 20 000 gefallen, ein Rückgang um immerhin 85 Prozent. Und das bei Jagdverbot! Im Jagdland Simbabwe hingegen waren sie im gleichen Zeitraum von 40 000 auf über 50 000 gestiegen. Die dortige Regierung sah sich gezw...