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Tarnen und täuschen

natur verstehen
Ein Artikel aus Ausgabe 63

Text und Bilder Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel

 

Man muss schon genau hinsehen, um die perfekte Tarnung der Spannerraupe zu erkennen und kaum jemand wird sofort bemerken, dass der Hornissenglasflügler ein Schmetterling ist.

Wie man sieht, kann auch der optische Sinn bei der Kommunikation von Tierarten unterschiedlichster systematischer Gruppen eine große Rolle spielen. Für potentielle Beute ist Tarnung eine häufig zu beobachtende evolutionäre Strategie. Wir kennen die hellen Tupfen bei Kitzen und Kälbern oder die Streifung bei jungen Frischlingen. Punkte und Streifen verschmelzen im Spiel von Licht und Schatten mit der Färbung des Bodens und der jeweiligen Vegetation. Umgekehrt kann besonders auffällige Färbung auch ein Warnsignal für Feinde sein, nach dem Motto: Friss mich nicht, ich bin ungenießbar. Und schließlich kann Färbung auch zur Täuschung dienen. Obwohl man harmlos ist, imitiert man die Färbung einer gefährlichen Art, um sich so zu schützen. Mimikry nennen Biologen das.

Innerhalb der Insekten gibt es eine Reihe besonders interessanter Beispiele zum Thema. In Südeuropa schlüpfen Mannzikaden (Cicada orni) im Sommer aus ihren Puppenhüllen im Boden, wo sie bis zu fünf Jahre verbracht haben. Als erwachsene Insekten leben sie nur wenige Wochen auf Bäumen, gerade lang genug, um für die nächste Generation zu sorgen. Die männlichen Zikaden fangen auf den Bäumen sofort mit ihrem „Gesang“ an, ein sehr weit hörbares Knarren, mit dem sie Weibchen anlocken. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in die Rinde von Laubgehölzen, besonders gerne in die Rinde der Mannaesche (Fraxinus ornus). Die Larven lassen sich zu Boden fallen, graben sich ein und ernähren sich an Wurzeln saugend. Im Boden sind die Larven gut geschützt. Während Begattung und Eiablage auf den Bäumen ist gut...

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