Jagdzeit jetzt
Newsletter Anmeldung
Die Abmeldung vom Newsletter ist jederzeit möglich.

Deutschland, einig Wolfsrevier!?

21.10.2020, 14:40 | Meldungen

Eigentlich eignet sich so gut wie ganz Deutschland für Besiedelung durch den Wolf. Das ist das wichtigste Ergebnis einer vom Bonner Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgelegten wissenschaftlichen Studie. Es heißt dort: "Wölfe sind absolute Habitatgeneralisten, die potenziell fast die gesamte deutsche Landschaft in ihrer Vielfalt nutzen könnten“.

Ging man bisher von maximal 440 Wolfsterritorien in Deutschland aus, sagen die Wissenschaftler jetzt, dass es 700 bis 1400 geeigneter Territorien gibt (jeweils 200 qkm groß). Denn die Wölfe könnten auch in reinen Agrarlandschaften mit intensiver menschlicher Nutzung leben. Das zeigten die neueren Entwicklungen. Und Wild gebe es ohnehin genug. Das zeigten die Abschusszahlen.

Die Wissenschaftler sagen voraus, dass die Wölfe wahrscheinlich kommen. Und wie eine Drohung hört es sich an, wenn sie schreiben, es sei sinnvoll, "sich auch in den noch nicht von Wölfen besiedelten Gebieten bereits auf deren Rückkehr mit Managementmaßnahmen, insbesondere die Umsetzung von effektiven Herdenschutzmaßnahmen, vorzubereiten.“ Fazit: Die Gesellschaft soll hinnehmen, dass es so kommt. Das BfN empfiehlt in seiner Pressemeldung zur Studie nicht, dass sich die Politik Gedanken über die soziale Akzeptanz dieser Entwicklung machen sollte, die 7.000 bis 14.000 Wölfe in Deutschland zur Folge haben könnte. Man empfiehlt stattdessen frühzeitige Maßnahmen zum Schutz des Weideviehs.

Der Deutsche Jagdverband warnte davor, diese Modellrechnung politisch zu missbrauchen. Wie viele Wölfe in Deutschland leben können, sei weniger eine biologische als eine gesellschaftspolitische Frage. Sinnvoll wäre eine ergänzende sozioökonomische Studie, um den Akzeptanzbestand für den Wolf zu ermitteln. Es sei schwer nachvollziehbar, dass sich eines der am dichtesten besiedelten Industrieländer die weltweit größte Wolfsdichte leistet. Auf der Basis der offiziellen BfN-Zahlen würden schon im Frühsommer rund 1.800 Wölfe in Deutschland leben.

Der Deutsche Bauernverband sieht das Ende des Weideviehs. „Mit einem Wolfsbestand in dieser Größenordnung würde die Weidetierhaltung zur Wolfsfütterung degradiert und die ländlichen Räume werden auf die Bereitstellung von Wolfshabitaten reduziert. Es ist unverantwortlich, sich so weit von der Realität im ländlichen Raum abzukoppeln und der Bevölkerung und den Weidetierhaltern über solche Planspiele eine faktisch unbegrenzte Ausbreitung des Wolfes aufzuoktroyieren. Der gute Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland und den Nachbarländern ist längst erreicht“. Der Verband fordert den „Einstieg in ein Bestandsmanagement beim Wolf“, sprich, eine ganz normale Bejagung zur Erhaltung einer tragbaren Dichte der nicht-gefährdeten Spezies Canis lupus. rdb

Studie: https://www.bfn.de/.../Dokumente/skripten/Skript556.pdf

Bildquelle: https://www.bfn.de/.../Hintergrundpapier...

Je dunkler die Schraffierung, desto besser ist das Gebiet für Wölfe geeignet. Auch die Küste und das Gebirge soll sich auf den Wolf einstellen. Weiße Gebiete sind die Ausnahme.

Weitere interessante Artikel

KASACHSTAN – Rauschendes Klingeln, Schwerer Schwingenschlag

ente gans kasachstan
Hans-Gerd Schumacher | 16 Min. Lesezeit
Gänsejagd zieht uns schon lange in ihren Bann. Wenn in Mecklenburg, wo wir des Öfteren gejagt haben, auf einem See tausende Gänse gleichzeitig hochgehen, ist die Faszination kaum zu steigern, tausend klatschende Schwingenschläge dröhnen wie ein durch einen Tunnel rasender Zug. Auch am Niederrhein...

AFRIKA – Trophäenfotos: Der Weg zur perfekten Erinnerung

trophäe fotografie afrika
Marco Ritter | 10 Min. Lesezeit
Wenn man ein paar grundsätzliche Dinge beachtet, dann ist es nicht schwierig, schöne Fotos von erbeutetem Wild zu machen, die man nicht nur Jagdfreunden, sondern auch befreundeten Nichtjägern zeigen kann. Marco Ritter ist Jäger und Fotograf und gibt nachfolgend wertvolle Tipps. Nach mehreren hera...

Schweden – Nicht geschossen ist auch gejagt

schweden elch hund
Sascha Numßen | 10 Min. Lesezeit
Ein Kurztrip führte mich nach Jämtland, um hinter dem Hund auf Elche zu jagen. Eine Jagdart, die körperlich extrem fordert und zugleich süchtig nach mehr macht. Unsere Reise führt uns mit dem Flieger von München über Stockholm nach Östersund (Jämtland), um dann noch einmal mit dem Auto gen Norden...