Ich werfe mich ins Heidekraut und richte mich ein. Der kleine Polarfuchs ist nicht größer als eine Hauskatze. Ein kleines Ziel in dreihundert Metern Entfernung. Zum Glück steht er auf einem großen schwarzen Felsen, perfekt in meinem Fadenkreuz. Alles ist sehr schnell gegangen. Ich versuche, meine Atmung zu kontrollieren. Ich habe dieses Gewehr noch nie zuvor abgefeuert und kenne den Abzug nicht. Wir haben nur noch zwei Schuss. Hinter mir stehen Gunnar und Pontus schweigend – beide bezweifeln insgeheim, dass ich treffen werde.
Text & Fotos Aske Rif Torbensen
Der Boden ist rutschig, als wir den Gipfel erreichen. Gunnar Guðmundsson, der Mann, mit dem wir auf die Jagd gehen wollen, hat uns eine Warnung per SMS geschickt: Der Grat ist vereist, der Hang steil. Vor uns verläuft die Straße fünfzig Meter geradeaus, bevor sie scharf nach links abbiegt und den Berghang hinunterführt. Reifenspuren zeigen, dass vor uns schon ein Auto hier war – sie enden abrupt in einer Dreipunktwende und führen zurück in die Richtung, aus der sie gekommen sind.
Pontus, mein schwedischer Begleiter, und ich sitzen einen Moment lang im Auto und fragen uns, ob das eine gute Idee ist. Ich bin fast sechs Stunden ohne Pause gefahren, und es wird langsam dunkel. Hinter jeder Kurve offenbart sich eine neue Landschaft – schwarze Lavawüsten, sanfte violette Heide, schneebedeckte Gipfel und empfindliches Moos, das so zart ist, dass es Jahrzehnte dauert, bis es sich wieder erholt, wenn man darauf tritt.

Island ist atemberaubend und gnadenlos. Jedes Jahr verschwinden Touristen, weil sie Warnschilder oder Absperrseile ignorieren. Si...