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TÜRKEI – Keilernächte

Leseprobe türkei schwarzwild keiler
Bernd Kamphuis | 20 Min. Lesezeit
Ein Artikel aus Ausgabe 41

Türkei, Mai 2019

Im Hinterland von Antalya erhebt sich der Taurus, ein imposantes, 1 500 Kilometer langes Kettengebirge, das die Türkei von West nach Ost durchzieht. Dort leben Wölfe, Bären, Steinböcke und Sauen – und Keiler, die mit mächtigen Waffen ausgestattet sind. Eine Gegend, die Keilerträume befeuert …


Text: Bernd Kamphuis
Fotos: Bernd Kamphuis, Engin Pehlivan

 Für eine Keilerjagd sollte man etwa fünf Jagdtage einplanen.

Leicht hektisch kommen mir Engin, Ibrahim und Fatma sowie Alfred und Julia am Ausgang des Ankunftsbereiches des Flughafens entgegen, an dem ich seit ein paar Minuten warte. Engin, meinem türkischen Gastgeber, ist es sichtlich peinlich, dass er etwas spät dran ist, dabei war es gar nicht seine Schuld, denn erstens hatte sich mein Flug verspätet und zweitens nahm es der von mir in Anspruch genommene Billigfluganbieter Corendon mit der Informationsweitergabe, nämlich dass die Ankunfts-Terminals ad hoc gewechselt werden, nicht ganz so genau. Deswegen hatten mich Engin und seine charmante Übersetzerin Fatma zusammen mit Ibrahim, der für das kulturelle und historische Tagesprogramm zuständig ist und perfekt Deutsch spricht, am anderen der beiden Terminals erwartet. Alfred und seine Lebensgefährtin Julia, mit denen ich zusammen jagen würde, waren von Wien aus kommend eine knappe Stunde vor mir gelandet und sind deswegen Teil der Empfangscorona.

Nach dieser herzlichen Begrüßung geht es erstmal ins Hotel – mit Meerblick. Einen guten Steinwurf entfernt plätschern die Wellen des Mittelmeeres. Und einen selbigen in die andere Richtung steht ein Lautsprecher auf dem überdachten Minarett, aus dem der Ruf des Muezzin erschallt, um die Gläubigen fünfmal täglich ans Gebet zu erinnern. Hier wird allerdings nicht mehr live gesungen, die frommen Verse kommen vom Band.

Antalya ist eine Touristenhochburg und sehr westlich. Am Strand herrscht ein buntes Treiben, der Boulevard ist belebt und bis spät in die Nacht herrscht reger Betrieb. Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte säumen die erste Reihe Häuser zum Strand hin. Autos drängen sich auf der Straße davor dicht aneinander, wer viel PS unter der Haube hat, muss anscheinend immer mal wieder durch einen beherzten Tritt aufs Gaspedal überprüfen, ob noch alle Pferdchen da sind … Besonders am späten Abend röhren die Motoren in mäßig schöner Regelmäßigkeit auf.

Für mich ist es die erste Reise in die Türkei, entsprechend neugierig bin ich. Und auch ein wenig verunsichert. Von Schlagwörtern wie dem „Journalistengefängnis Europas“ und der meist negativen Berichterstattung der Politik und Person Erdogans bin ich zumindest untergründig ein wenig voreingenommen, die ständigen negativen Schlagzeilen haben ihre Spuren hinterlassen. Mittlerweile, da ich diese Zeilen verfasse, ist die türkische Armee in Nordsyrien einmarschiert.

Aber ich bin nicht in die Türkei geflogen, um über die große Politik zu sprechen, hier treffe ich auf gleichgesinnte Jäger, mit denen ich die nächsten Nächte durch die Wälder streifen möchte. Ich will in den vor mir liegenden Tagen weder über Politik, noch über Religion oder eine andere Volkskrankheit palavern. Ich will einheimische Menschen treffen, will nachts nach Keilern Ausschau halten, will den Duft von starkem Mokka und würzigen Zigaretten riechen und mich am Anblick von reich blühendem wilden Oleander erfreuen. Und ich will wissen, wie man hier Keiler jagt.

Erfahrene Jäger berichten unisono seit vielen Jahren von der Gastfreundschaft, die ihnen auf ihren Jagden in der Türkei widerfahren ist. Es liegt wohl an den Genen, Türken können gar nicht anders, als gastfreundlich zu sein. Kaum jemand aus dem Westen hat schlechte Erlebnisse mit den Menschen in der türkischen Provinz gehabt – höchstens einmal mit Jagden, die nicht erfolgreich waren. Aber auch das gehört dazu, es kann nicht immer alles funktionieren, vor allem auf der Jagd kann vieles schief laufen. Also, scheiß auf die Politik und auf zum fröhlichen Jagen!

 

Kirrungsrunden

Rund zwei Wochen vor der geplanten Jagd werden die Kirrungen täglich beschickt. So erhalten die Jäger einen guten Überblick, was sich im Jagdgebiet abspielt.

Es ist alles gut vorbereitet, Engin hat permanent mehrere Jäger in seinem Jagdgebiet, das in rund 45 Minuten Fahrt von Antalya aus zu erreichen ist. Sie wohnen in kleinen Dörfern am Fuße der Berge, in einfachen Häusern. Jeder Quadratmeter zwischen den Häusern wird genutzt, um Gemüse, Salat und allerlei Früchte anzubauen. Das Dorf, in dem drei von Engins Männern leben, unterscheidet sich deutlich von der nahen Touristenhochburg. Auf dem Dorfplatz versammeln sich bis spät in die Nacht ausschließlich Männer, um Tee zu trinken, zu reden und Karten zu spielen. Die Frauen bleiben zuhause, es geht traditioneller zu.

Die Jagd als solche läuft folgendermaßen ab: Es gibt eine Reihe Kirrungen, die die Jäger beschicken und die dann nachts angepirscht werden. Gut zwei Wochen, bevor die devisenbringenden Gastjäger eintreffen, beginnen die lokalen Jäger damit, die Kirrungen mit Mais zu beschicken. So lässt sich schnell feststellen, in welchen Revierteilen was los ist, wo die Sauen stehen und an welcher Kirrung sich die Trittsiegel von Keilern finden lassen.

Auf dem Gewehr, das ich bei dieser Jagd benutze, ist nur ein normales Zielfernrohr montiert, ich habe keine Nachtzieloptik. Wir haben die Reise so gelegt, dass wir gutes, natürliches Licht haben, das im Normalfall ausreichen sollte, um sicher schießen zu können. Zwei Jäger aus den Niederlanden haben einen Monat zuvor sieben Keiler auf klassische Art und Weise erlegt und dabei auf jegliche moderne Technik verzichtet.

So weit, so gut. Erster Abend, das Hoffnungsbarometer steht auf Maximum. Wir haben die Gewehre probegeschossen und da wir ohnehin schon im Revier sind, warten wir ab, bis es dunkel ist. Unterdessen haben wir uns getrennt, Julia und Alfred gehen mit einem Führer, wechseln sich beim Anlaufen der Kirrungen ab. Ich gehe allein mit einem jungen Jäger, der hier groß geworden ist und sich entsprechend gut auskennt.

  Im Süden der Türkei sind die Sauen körperlich eher gering. Aber die Waffen alter Keiler sind kapital.
Outfitter Engin (rechts) mit Fatma und einem seiner Berufsjäger.
Um nachhaltig solche Keilertrophäen erbeuten zu können, müssen die Jagdgebiete groß und der Jagddruck eher klein sein.

Mittlerweile hat die Nacht ihr dunkles Tuch ausgebreitet und der Mond geht gerade auf. Also los! Wir laufen über einen Waldweg, der sich über einen Hügelkamm hinzieht, dann geht es talwärts. Mein Führer wird langsamer, rechts am Wegrand erkenne ich einen dicken weißen Faden, der anzeigt, dass wir in Kirrungsnähe sind. Glas an die Augen und schon wird deutlich, dass da Bewegungen auszumachen sind. Sauen! Eine starke Sau steht an der Kirrung, seitlich im Bestand höre ich, das Wild zieht. Dann die typischen, vertrauten Geräusche einer Rotte. Die starke Sau an der Kirrung macht derweil eine andere Sau flott. Als sie kurz darauf wieder an der Kirrung steht, kommt die Aufforderung zum Schuss. Beim Blick durchs Zielfernrohr sehe ich deutlich, dass ich nichts deutlich sehe … Auch nach ein paar Minuten ist es nicht heller. Keine Chance. Wir müssen näher ran. Da mein Führer keine Anstalten macht, schiebe ich ihn sanft nach vorn. Jetzt wird es spannend. Meter um Meter kommen wir näher, sind jetzt vielleicht noch 40 Gänge entfernt. Das Aufstellen des Zielstocks knirscht bedenklich, aber der Keiler vor uns bekommt nichts mit. Durch das Fernglas sehe ich ihn ganz okay, aber durch das Zielfernrohr noch immer nicht. Kruzifix! Die Kirrung liegt an der tiefsten Stelle des Weges, im Schatten einer mächtigen Eiche. Hätte ich ein Vorsatzgerät, dann wäre der Keiler längst mein geworden. So aber ziehen wir uns nach einer geraumen Zeit des aussichtslosen Abwartens zurück …

In dieser Nacht pirschen wir noch einige Kirrungen an, aber es bleibt für einen sicheren Schuss zu dunkel. In der folgenden Nacht das gleiche Spiel. Wieder fangen wir mit der ersten Kirrung von gestern an. Und wieder steht da schon eine grobe Sau. Da es aber in dieser Nacht nicht heller ist, ziehen wir uns erneut unverrichteter Dinge zurück. Wir schaffen nur noch drei weitere Kirrungen, dann verschlechtert sich das Wetter und wir brechen ab.

Während ich noch Schneider bin, haben sowohl Julia als auch Alfred jeweils einen sehr guten Keiler erlegt. Alfred hat ein Vorsatzgerät montiert, sodass er sauber ansprechen und sicher schießen kann. Weidmannsheil! Da die beiden jeweils einen Keiler erlegen wollten und somit schon glücklich sind, wir insgesamt auch nur drei Nächte Zeit haben, begleitet mich Alfred kurzerhand in der letzten Nacht.
 

Wenn aus guten Vorsätzen Vorsatzgeräte werden

Natürlich hatten wir über das Thema Technik im Vorfeld gesprochen. Und nun hatte ich die Erfahrung gemacht, dass ich ohne ein Vorsatzgerät am Zielfernrohr keine Aussicht auf Erfolg haben würde. Also kam mir Alfred zu Hilfe und schon war auch ich in der Lage, das Dunkel der Nacht genügend aufzuhellen.

Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei und so ging es an diesem Abend zum dritten Mal zur mittlerweile gut bekannten Kirrung. Heute waren wir zu dritt unterwegs, Alfred kam kurzerhand mit. Und das war gut!

Am vorbereiteten Platz angekommen, glasen wir die Kirrung ab. Und wieder steht da eine solitäre Sau! Mein Führer senkt nach einer Weile sein Fernglas, hält wort- und regungslos inne. Nach ein paar Minuten das gleiche Spiel. Ich wundere mich zusehends, irgendwas ist da doch faul. Und dann dämmert es, der gute Mann hatte durch sein schwaches Glas die Sau, die die ganze Zeit direkt vor uns stand, schlichtweg nicht gesehen. Ich gebe ihm mein Swarovski und sofort flüstert er: „Big. Big. Shoot!“

Jetzt sollte es also nur noch ein Frage von Sekunden sein … Ich blicke durchs Pulsar-gepimpte Zielfernrohr, sehe die Konturen des Keilers aber immer noch nur undeutlich. Das gibt´s doch nicht! Ich kann machen was ich will, die Saue wird beim besten Willen nicht klarer, bleibt für mich nur schemenhaft zu erkennen. Alfred ist direkt hinter mir, versteht nicht, warum es nicht knallt. Ich lasse ihn durch die Zieloptik blicken und auch er kann den Keiler nicht wirklich sehen. Jetzt hilft nur noch gebündelte Power! Alfred hat noch ein reines Beobachtungsgerät dabei, dessen Infrarotaufheller wir jetzt brauchen, damit ich genügend Licht im Glas habe! Wir stehen jetzt Mann an Mann, Alfred richtet sich mit ein und mithilfe des Infrarotaufhellers kann ich nach einer gefühlten Ewigkeit des Hin- und Herjonglierens und nervösen Geflüsters – „Passt´s jetzt?“, „Mehr rechts!„, „Jetzt?„, „Mehr links!„, „Jetzt?!„, „JA!„ – endlich den Wildkörper ins Absehen nehmen. Der Schuss fällt, der Keiler jedoch nicht. Er geht ab und verschwindet hangaufwärts. Im Schuss bin ich vermutlich etwas zu sehr mittig abgekommen. Aber ganz ehrlich, in diesem Moment ist das erst einmal zweitrangig. Wir freuen uns und ich bin mir sicher, dass wir den Keiler haben!

Des Rätsels Lösung ist der Umstand, dass der Keiler über 100 Meter weit war, also deutlich weiter als angenommen und deswegen konnte ich ihn zuerst nicht ordentlich ins Glas bekommen, erst durch die zusätzliche Bildaufhellung was das möglich …

Am Anschuss viel Schweiß, auch in der Fluchtfährte ist ordentlich Schweiß abgestreift. Wir zwingen uns, noch eine Weile zu warten, gehen dann der Fährte ein Stück nach. Nach gut 50 Metern brechen wir ab, Engin wird die Suche mit Hund fortsetzen. Er hat Bracken, die auf einem Gehöft ein paar Kilometer entfernt gehalten werden. Da rasen wir jetzt hin, Walter Röhrl hätte Spaß an den morastigen Waldwegen gehabt. Unser Fahrer anscheinend auch …

Wie erwartet, wird der Hund nicht am Riemen geführt, sondern direkt geschnallt. Er böget sich kurz ein, dann geht die laute Hatz ab, hinter der Hügelkante verliert sich das Geläut für unsere Ohren. Nach gut zwei Kilometern ist die Hetze vorbei, die Sau verendet. Auf unserem Weg dorthin laufen wir über einen Friedhof, der mitten im Wald liegt und dessen mondbeschienene Grabstätten gespenstisch illuminiert sind. Am Keiler angekommen, stellen wir fest, dass er nicht ganz so stark ist wie erhofft, aber eines steht trotzdem fest: Hier gibt es kapitale Keiler. Die Türkei ist immer eine Reise wert – nicht nur wegen des Wildes, sondern auch der Menschen wegen, die uns Jäger an ganz besondere Plätze führen können.

Gemeinsame Freude ist doppelte Freude!

 

Ausrüstung

 

Schießstock:

Unerlässlich für die nächtliche Pirsch und den sicheren Schuss ist ein Schießstock. Ich hatte den Carbon-Stock von 4Stable Sticks dabei, den ich sehr gerne führe. Der Stock lässt sich auch auf Reisen bequem mitnehmen, da er zerlegbar und zudem sehr leicht ist.


Schuhwerk:

Auf leisen Sohlen zu laufen, ist bei dieser Jagdart wichtig. Ich hatte ein Paar afrikanische „Fellies“ dabei, die von Tim Liedtke (Okondura Nord) entworfen sind, und mit denen man sehr leise unterwegs ist. Empfehlenswert! Zudem hatte ich moderne Jagdstiefel, namentlich den PH von Härkila, dabei. Diese sind laut und von daher die komplett falsche Wahl bei einer solchen Nachtjagd. Eine kostengünstige Alternative ist es, wenn man auf den letzten 50 Metern (man weiß im Grunde immer, wie weit es bis zur Kirrung ist), die Schuhe abstreift und die restliche Distanz in dicken Socken zurücklegt.


 

Jagd-, Kultur- und/oder Familienurlaub!

Eine Keilerjagd in der Nähe Antalyas kann hervorragend mit einem kulturellen Programm oder einem Badeurlaub kombiniert werden. Entweder hängt man an die eigentliche Jagd (fünf Jagdtage sollte man planen) ein paar Tage dran oder man unternimmt tagsüber Touren in die Stadt oder in nahegelegene Ausflugsziele.

Antalya ist eine alte Stadt mit entsprechend reicher Historie. Gegründet wurde Antalya 158 v. Chr. von König Attalos II. von Pergamon, 133 v. Chr. fiel die Stadt durch Erbschaft an das Römerreich. Im Mittelalter war Antalya ein bedeutendes christliches Zentrum. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts geriet die Stadt schließlich unter osmanische Herrschaft.

Entsprechend der wechselhaften Geschichte gibt es sehr viele historische Stätten zu besichtigen und zu bestaunen. Wir haben auf unserer kurzen Jagdreise zwei Tage mit Kultur verbracht – einmal haben wir die Altstadt Antalyas erkundet und einen Tag haben wir das Hinterland entlang der Küste besucht, unter anderem auch das berühmte Colosseum Aspendos. Das große Theater ist eines der besterhaltenen der Antike und einen Ausflug wert. Dankenswerterweise hatte uns der türkische Outfitter Engin einen Reiseführer besorgt: Ibrahim Köylü. Ibrahim ist lizensierter Reiseführer und ein wandelndes Lexikon der Geschichte. Es war ein Vergnügen, mit ihm die Umgebung Antalyas zu erkunden. Er spricht perfekt deutsch, hat einige Jahre in Deutschland gelebt und versteht es, seine Gäste mit vielen Informationen zu unterhalten. Dazu kann auch durchaus einmal spontan ein Lied gehören, das er a capella inmitten des historischen Bauwerks Aspendos vorträgt, um die perfekte Akustik des Colosseums zu demonstrieren.

Blick ins Taurusgebirge.

Andererseits bietet es sich an, die türkische Riviera am Strand zu genießen. Antalyas Strände sind recht sauber und das Wasser ist klar. Entlang der Strandpromenade reihen sich Bars, Restaurants und Geschäfte. Einem ausgiebigen Strandtag mit Wasser und Müßiggang stehen somit alle Möglichkeiten offen.

Wer es exklusiver möchte, der kann eine besondere Variante für seine Jagd wählen, und zwar, indem er ein großes Segelboot mietet, die Tage vor der Küste verbringt und sich von Insel zu Insel und von Bucht zu Bucht schippern lässt. Zwischendrin kann man anlegen oder den Anker werfen, hier oder da ins Meer hüpfen und so den Tag auf sehr entspannte Art und Weise genießen. Nachts geht es dann in die Berge, um auf Keiler zu jagen. Dies erfordert natürlich etwas großzügigere finanzielle Mittel, die über dem eines Normalverdieners liegen. Deswegen haben wir auch die Variante mit Hotel gewählt …

Wenn man schon einmal in der Türkei ist, dann sollte man unbedingt einen Barbier aufsuchen – oder im Falle der Damen – einen Schönheitssalon. Wobei ein solcher natürlich auch den Herren der Schöpfung viel Gutes tun könnte … Preise und Service sind herausragend. Auch der Hammam, also das traditionelle türkische Dampfbad, bei dem der Körper gründlich gereinigt wird und man sich nach allen Regeln der Kunst durchkneten lassen kann, ist ein Erlebnis.


 

Typisch türkisch …

… sollte man übrigens auch essen gehen. Engin führte uns eines Mittags in Antalya in ein Restaurant, das in keinem Touristenführer auftaucht: ein einheimisches, unauffälliges Schnellrestaurant mit lokalen Gerichten. Hier gab es keinen touristischen Einheitsbrei, sondern gute Gerichte lokaler Provenienz. Köstlich! Verschiedene Gemüse, Reis, Kartoffeln, Leber, Hack in Form von herrlich schmackhafter Köfte und und und. In einem ausladenden Fensterbereich waren die verschiedenen Gerichte aufgereiht, aus denen man direkt wählen kann, was man möchte. Am Tisch wurde hausgemachtes Brot gereicht, dazu genossen wir Tee – türkischen Chai aus kleinen Gläsern und mit viel Zucker – und Wasser oder ein hopfenhaltiges Kaltgetränk.   


 

Wildarten der Türkei

Die Türkei hat extrem gute Schwarzwildbestände. Grundsätzlich gibt es für Keilerjäger wohl kaum ein besseres Land als die Türkei. Die Keiler im Süden sind vom Wildbret her zwar eher gering und wiegen in der Spitze vielleicht 100 Kilo, dafür tragen sie extrem starke Waffen. Über 22 Zentimeter lange Gewehre können bereits bessere Überläufer vorweisen. Keiler mit 24 Zentimeter sind in gut bewirtschafteten Jagdgebieten keine Seltenheit. Und es gibt da auch noch Uriane mit weit stärkeren Waffen.

Im Norden der Türkei werden die Sauen körperlich viel stärker, Keiler können da gerne mal mehr als 150 Kilo schwer werden. Allerdings sind die Waffen eher etwas geringer.

Eine der ikonischen Wildarten der Türkei ist der Bezoar-Steinbock, dessen Lebensraum sich von der südwestlichen Spitze der Ägäis über die Mittelmeerregion des Taurusgebirges bis zum nordöstlichen Grenzgebiet erstreckt. Insbesondere der Bock ist durch seine besondere Deckenfärbung ein unglaublich schönes Wildtier. Grundton der Decke ist ein helles Braun, der Träger hat einen scharf schwarz abgesetzten Ansatz, der sich bis auf die Vorderläufe erstreckt. Auch die Hörner sind imposant, denn die Bezoare tragen bis zu 150 Zentimeter lange Schläuche, die ausgeprägte Schmuckwülste bilden. Grundsätzlich sind die Bestände in der Türkei gut, allerdings schwanken die Trophäenqualitäten deutlich. Dies sollte man im Vorfeld einer Reise recherchieren und nach aktuell erwartbaren Trophäenstärken fragen.

Der Keiler ganz links ist abnorm. Durch den fehlenden Haderer konnte das Gewehr auf sagenhafte 40 Zentimeter auswachsen.


Weitere vorkommende Wildarten:

  • Anatolisches Gamswild
  • Damwild
  • Armenisches Muffelwild
  • Anatolisches Rotwild
  • Anatolisches Rehwild
  • Konya-Schaf
  • Kropfgazelle
  • Braunbär
  • Wolf
  • Niederwild (Wachtel, Schnepfe, Stein- und Königshuhn, Hasen, Enten und Gänse)


 

Kontakt

Wer sich ausführlich beraten lassen und eine Jagd in der Türkei buchen möchte, dem sei Alfred Marbler empfohlen. Marbler betreibt eine kleine Vermittlungsagentur, er kennt Land, Leute und Reviere, hat verschiedene Angebote zur Keilerjagd in der Türkei, die er mit dem türkischen Outfitter Engin Pehlivan betreibt. Wir haben die eingangs beschriebene Reise zusammen bestritten und ich kann die erwähnten Männer empfehlen. Allerdings sollte man sich mehr Zeit nehmen, als wir es konnten, und wenigstens fünf bis sechs Tage zur Jagd bleiben.

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