Text Paul Kretschmar
Fotos Paul Kretschmar, Adobe Stock (Jaimie Tuchman)
Geschäft und Abenteuer, Zivilisation und Wildnis – selten gehen sie so nahtlos ineinander über wie an jenem trüben Novembertag in New Orleans. Die geschäftlichen Termine habe ich gut hinter mich gebracht, jetzt ist es an der Zeit, die wilde Seite Louisianas zu erkunden. Kaum ist der Anzug verstaut, da wartet vor dem Hotel bereits mein Jagdfreund Greg, stilecht mit Pickup-Truck und Südstaaten-Gelassenheit. Unser Ziel: Eine Entenjagd in den „Bayous“ – wie die Sümpfe hier genannt werden. „Bayou State“, so nennen die Einheimischen den 18. Bundesstaat liebevoll. Und hinter dem klangvollen Namen verbirgt sich ein schier endloses Labyrinth aus Sümpfen, brackigem Wasser, knorrigen Bäumen, aber auch uralten Traditionen, der Geschmack der betörenden Cajun-Küche und fantastische Jagdgründe, die es zu erkunden gilt.
Es ist bereits früher Nachmittag, als wir bei stark bewölktem Himmel und leichtem Regen vom Highway auf eine schmale Landstraße in Richtung Süden abbiegen. Nur ein dünner Grünstreifen trennt den Fahrbahnrand von sumpfiger Wildnis: braunes Brackwasser und meterhohe undurchdringliche Dickung, aus der sich vereinzelt kahle, schwarz-verkohlte Baumgerippe in den grauen Himmel recken. Alle paar Meilen wird die braun-schwarze Einöde von grell blinkenden Neon-Schildern unterbrochen, die zur nächsten „Drive-in Daiquiri Bar“ locken – einem kulturellen Kuriosum des Südens. Solche Drive-in-Bars spiegeln eine eigentümliche Südstaaten-Tradition wider und sind ein Beispiel für die entspannte Lebenskultur Louisianas: Man kann hier – entgegen der sonst in den USA restriktiven Regelungen, was den Erwerb und Besitz von Alkohol angeht – direkt mit dem Wagen in die Drive--n-Bar fahren und aus de...