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Alpenraum: Bayern und Österreich fallen beim Gamsmanagement durch

21.10.2020, 14:52 | Meldungen

Wie sieht die Zukunft der Alpengams aus? Das fragten die Deutsche Wildtier Stiftung und

der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) und gaben eine Studie in Auftrag.

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Bericht (http://www.cic-wildlife.org/.../studie2020-die-gams-in... ) zeigt, dass es zwischen den einzelnen Staaten des Alpenraumes erhebliche Unterschiede beim Monitoring und Management der Alpengams gibt. Fazit, in Bayern werden die Gamsbestände viel zu intensiv bejagt. Damit ist ihr Erhaltungszustand in Deutschland nicht günstig und die Zukunftsaussichten sind düster. In Österreich sehen die Dinge vielerorts nicht viel besser aus. Die Stiftung in einer Pressemitteilung: "Österreich und Deutschland fallen beim europaweiten Gamsmanagement durch."

Die Alpengämse steht unter dem besonderen Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU und ist obendrein in der Berner Konvention aufgeführt. Die Alpen-Anrainerstaaten in der EU sind daher verpflichtet, den Zustand ihrer Gamspopulationen regelmäßig zu erheben und zu bewerten. Zwischen den einzelnen Staaten des Alpenraumes gibt es jedoch ganz erhebliche Unterschiede beim Monitoring und Management ihres gemeinsamen Schutzgutes, der Alpengams. Während Frankreich, Italien und Slowenien den Erhaltungszustand der Gämse durch ein aufwendiges Monitoring der lebenden Gamspopulation abschätzen, melden Deutschland und Österreich einfach nur die Zahl der abgeschossenen Tiere an die EU.

Daten und Analysen zur Alters- und Sozialstruktur der Gamsbestände werden außer Acht gelassen, obwohl gerade diese Angaben eine professionelle jagdliche Nutzung auszeichnen. Bei der Planung jagdlicher Eingriffe werden die Unterschiede noch deutlicher: In fast allen EU-Ländern wird die Abschusshöhe unter Berücksichtigung biologischer Daten wie der natürlichen Wintersterblichkeit festgesetzt; in Bayern wird die Abschusshöhe lediglich am Zustand der Waldvegetation abgeleitet. „Die mangelhafte Umsetzung der EU-Vorgaben gipfelt in Bayern in der Ausweisung von Gebieten, in denen die Gämse gar keine Schonzeit mehr hat“, so Hilmar von Münchhausen, der Geschäftsführer der Stiftung. Dabei weisen Untersuchungen darauf hin, dass die Gamsbestände in Bayern viel zu intensiv bejagt werden.

Deutsche Wildtier Stiftung und der CIC fordern ein umfassendes Monitoring der Gämse in Bayern, keine lokale Verlängerung von Jagdzeiten und die Ausweisung von Gebieten mit Jagdruhe, damit sich die Populationen regional wieder erholen können.

Als die Experten der Internationalen Naturschutzunion kürzlich den Status der Gämse für ihre Einordnung in die Rote Liste diskutierten, kamen genau diese bayerischen Defizite zur Sprache. Geschickt war aber aus Bayern eine auf dem Gehaltszettel der Staatsregierung stehende Expertin in das Gremium eingeschleust worden. Sie versuchte, alle Kritik am Gamsmanagement des Freistaats abzubügeln nach dem Motto „Der Gams geht es gut in Bayern“. Nach den Kriterien internationaler Organisationen lag hier ein klarer Interessenkonflikt vor, der eine formale Anzeige erfordert hätte. Noch haben die Wissenschaftler der „Caprinae“-Gruppe der IUCN ihr Votum nicht abgegeben. Es wird sich zeigen, ob der IUCN-Report zur Gams durch Fernsteuerung aus München weichgespült werden konnte.

Foto: Marco Ritter

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