In einigen Jagdgebieten Kanadas wird mit Pferden gearbeitet, die während der Jagdsaison wertvolle Dienste als Reit- und Packpferde leisten. In der folgenden Geschichte berichtet der Berufsjäger und Wrangler Alex Schlütter davon, wie die Pferde zu Beginn der Saison ins Gebiet hinein- und im Herbst wieder herausgebracht werden. Es ist ein Abenteuer, mit rund fünfzig Pferden und sieben Reitern etwa sechzig Kilometer durch absolute Wildnis zurückzulegen. Ein Wagnis, das nicht komplett kontrollierbar ist – und schnell zum Drama werden kann.
Text & Fotos Alexander Schlütter
Wir verlieren einigermaßen kontrolliert Höhe, die dunklen Wassermassen kommen immer näher. Dann setzt der kleine Piper-Supercub-Wasserflieger unsanft auf, der Pilot und ich atmen in der kleinen, mit Leinen bespannten Maschine durch. Böiger Wind treibt kurze, schäumende Wellen über den See. Der einstündige Flug war turbulent und wir mussten wetterbedingt einige Umwege machen – ich bin froh, wieder heil auf festem Boden zu stehen, oder zumindest auf Wasser. Mit einem gut vernehmbaren Knirschen durchbrechen die Schwimmer des Fliegers eine dünne Eisschicht am Ufer, wo der Pilot mich mit meinen wenigen Habseligkeiten absetzt. Mein .308-Repetierer, der Oilskin-Regenmantel und ein kleiner Trockensack – darin ein Schlafsack, ein zusätzlicher Wollpullover, lange Unterwäsche, ein paar Ersatzsocken. Dazu kommen Messer, Feuerzeug und Feuerstarter, Kopflampe, Ersatzbatterien und mein GPS. Mehr habe ich nicht. Ich winke, als der Flieger wieder gegen den Wind abhebt. Der junge Pilot ist wegen des Wetters nervös und in Eile, schnell zurück in die Heimat zu fliegen. Bald ist er bloß noch ein kleiner dunkler Punkt, der in der Ferne verschwindet. Wiederkommen wird er sicher nicht – es ist auch für diesen Flieger der letzte F...