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WELTWEIT – Jagen im Geiste der „Trophäe“

trophäe
Michael Sternath | 22 Min. Lesezeit
Ein Artikel aus Ausgabe 44

Damit von vornherein keine Missverständnisse aufkommen: Unser Haus ist vollgehängt und vollgestellt mit Hirschgeweihen, Gamskrucken, Rehkrickeln, Fuchsbälgen und Stillleben von Hahnen. Dank meiner Frau ist auch Afrika vertreten. Und damit nicht genug. Es finden sich ganz zwanglos auch noch Adlerfedern, ausgekochte Rotwildschalen, Marderschädel, und um den Hals trage ich – vom Ehering abgesehen – Grandeln von Hirschen, deren Erlegung mir viel bedeutet hat. Und ebenfalls nur, damit keine Missverständnisse aufkommen: Als Trophäen betrachte ich all das nicht. Es sind Reliquien. Reliquien, ohne die wir nicht leben würden wollen.

Text: Michael Sternath

 

Die Trophäe – Liebkind der Jäger und Jagdkritiker

Ludwig Wittgenstein war einer der Helden meiner Studententage. Damals meinte ich noch, Vorbilder zu brauchen. Natürlich: Wittgenstein war ein ganz besonderer Mensch, er entstammte einer schwerreichen Wiener Industriellenfamilie, schwor aber schon in jungen Jahren dem Riesenvermögen ab, um Grundschullehrer in einem Bauerndorf zu werden – und schließlich ein völlig unkonventioneller Professor für Sprachphilosophie in Cambridge. Wie kaum ein anderer prägte er das Denken der westlichen Welt des 20. Jahrhunderts, ohne dass sich die westliche Welt dessen bewusst ist. Nachdem er sich in seinem ersten philosophischen Leben an einer mathematisch-klinischen Sprache für die Naturwissenschaften abgearbeitet hatte, einer Sprache, in der sich alles eindeutig sagen lässt, warf er das ganze System in seinem zweiten philosophischen Leben über Bord und beschäftigte sich mit der gewöhnlichen Sprache. Er schaute den Menschen aufs Maul und zog daraus seine Schlüsse – sprachphilosophische und andere.

Jagd und Jäger waren Ludwig Wittgenstein so fremd und gleichgültig wie einem Chinesen der Lodenjanker. U...

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