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USA: Was können amerikanische Auslandsjäger vom neuen Präsidenten erwarten?

20.01.2021, 17:56 | Meldungen

Am 20. Januar wird John Biden in sein Amt als amerikanischer Präsident eingeführt. Der drängenden Probleme gibt es viele im Land – von Corona bis hin zur Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, ganz zu schweigen vom sonstigen Scherbenhaufen, den der Amtsvorgänger Donald Trump bei fast allen politischen Themen hinterlassen hat.

Was der neue Präsident für die Jäger in den USA, speziell die Auslandsjäger, in seinem Köcher verborgen hat, ist angesichts dieses ganzen Berges von Problemen von eher zweitrangiger Bedeutung. Dennoch stellen sich die Jägerinnen und die Jäger in den USA heute diese Frage. Dabei waren sie von Trump und seiner Administration entgegen aller anfänglichen Hoffnungen nicht verwöhnt. Am stärksten hat er wohl der Jagd und der Natur in den USA dadurch geschadet, dass er den Schutz vieler Wildnisgebiete, in denen meist auch gejagt wird, aufgeweicht hat, um den Abbau von Bodenschätzen und andere Industrievorhaben zu erleichtern. Trump hat auch die ohnehin nicht sehr ausgeprägten amerikanischen Regelungen zum Klimaschutz abgebaut und ist aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. 

Auf der Habenseite verbuchten Jäger, dass Trump die Jagdmöglichkeiten auf öffentlichen Ländereien ausweitete. Sein wichtigstes Gesetzeswerk auf diesem Feld war der „Great American Outdoors Act“ im vergangenen Juni. Er war von den Jagdverbänden unterstützt worden. Die „Wild Sheep Foundation“ kommentierte: „Das ist zweifellos das wichtigste Stück Gesetzgebung pro Naturschutz, pro Wild, pro Outdoor Sportarten, pro Zugang zur Natur und pro Jäger und Angler, das wir erleben werden, solange wir auf dieser Welt sind.“ Das Gesetz sieht erhebliche Finanzmittel für Jagdgebiete auf Bundesland vor.

Eine Zeitlang sah es auch so aus, als wolle Trump die unter Präsident Obama verhängten de-facto-Einfuhrverbote für charismatische Wildarten aufheben. Die Auslandsjäger in den USA schöpften Hoffnung. Die Jagdländer in Afrika ebenfalls. Die Aufhebung der Verbote wäre im Einklang mit der Washingtoner Artenschutzübereinkunft (CITES) gewesen. Sie hätte auch geholfen, die negativen Folgen für den Artenschutz und die Lebensgrundlagen vieler Menschen in Afrika abzubauen. Trump schuf ein Beratungsgremium zur Auslandsjagd und zum Artenschutz, in dem Jäger und Jagdverbände vertreten waren. Das durfte tagen und völlig wirkungslose Empfehlungen aussprechen, bevor es nach zwei Jahren wieder aufgelöst wurde. 

2017 gab die amerikanische Genehmigungsbehörde bekannt, sie werde wieder wie früher Einfuhrgenehmigungen für legale Jagdtrophäen von Elefanten und Löwen aus Simbabwe und Tansania ausstellen. Beide Länder hatten in umfassenden wissenschaftlichen Ausarbeitungen die Nachhaltigkeit ihrer Quoten und selektiven Bejagung dargelegt. Doch quasi über Nacht kam bei Trump der Sinneswandel. Manche kolportieren, dies sei auf Einflüsterungen seiner Gattin Melania zurückzuführen gewesen. Trump twitterte, Genehmigungen würden vorerst nicht erteilt. Er müsse das alles selbst prüfen. Dabei ist es bis heute geblieben. Das amerikanische Verbot hat das Jagd- und Naturschutzmanagement in Ländern wie Simbabwe und Tansania irreparabel geschädigt.

Zwei Söhne Trumps, Donald jr. und Eric, sind bekennende Auslands- und Großwildjäger. Trump Senior nannte die Jagd auf Elefanten jedoch eine „Horror Show“ und erklärte auf Twitter, es werde schwerfallen, ihn davon zu überzeugen, dass die Großwildjagd irgendeinem Tier helfe.

Biden hat sich während des Wahlkampfes zu Fragen der Jagd und speziell der Auslandsjagd nicht prominent geäußert. Zumindest wurde darüber nicht berichtet. Auch auf den Wahl-Websites war dazu nichts zu finden. Es gibt allerdings eine Ausnahme. Der Safari Club International (SCI) schrieb auf seiner Website, dass Joe Biden in einer virtuellen Wahlkampf-Veranstaltung auf eine Frage hin gesagt habe, er sei gegen die Einfuhr von Jagdtrophäen aus dem Ausland, auch wenn sie legal erbeutet worden wären. Er werde das verbieten. Wie das zu bewerten ist, sei dahingestellt. Es ist durchaus im Bereich des Möglichen. Pessimisten würden sagen, es sei sogar wahrscheinlich. Möglicherweise ist Biden auf diesem Gebiet selbst gar nicht festgelegt. Allerdings war er der Vizepräsident, als unter Obama Trophäenimporte eingeschränkt wurden.

Problematisch könnten vor allem die Erwartungen der vielen Jagdgegner und Tierrechtler und ihrer Organisationen werden, die mehrheitlich die Demokraten unterstützt haben und jetzt hohe Erwartungen hegen. Sie wollen, dass sie dafür belohnt werden. Für sie ist jetzt Zahltag. Jagdverbände wie der SCI und die National Rifle Association, die sich ebenfalls für Jägerrechte in den USA einsetzt, waren große Unterstützer der Republikaner im Wahlkampf. Die zahlreichen Gesetzesvorlagen für ein Verbot der Einfuhr von Jagdtrophäen in den USA kamen primär von den Demokraten. Biden und seine Vizepräsidentin Kamala Harris haben schon angekündigt, dass sie die Waffengesetze verschärfen werden.

Ein Jagd-Experte in den USA sagte auf Nachfrage der JAGDZEIT: „Die amerikanischen Jägerinnen und Jäger haben derzeit eine Haltung des ‚mal abwarten und seh’n, was kommt‘. Allerdings hegt man keine besonders optimistischen Erwartungen.“ rdb

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